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Seit Freitag im Ledig House und so noch so gut wie nichts gearbeitet. Ich genieße den Ort sehr, auch die Gesellschaft, die Ausflüge. Hoch über unseren Köpfen ziehen die Wildgänse nach Florida, langsam färbt sich das Laub Rot und Gelb, und im Gebüsch vor meinem Fenster huschen die Streifenhörnchen geschäftig hin und her. Kapitel zehn wartet.
Am Freitag geht es für einen ganzen Monat in das Hudson River Valley, New York. Das Ledig House nimmt mich auf und erlaubt mir, mitten im Indian Summer das zweite Manuskript zu beenden. Ich weiß gar nicht, worauf ich mich mehr freue: darauf oder auf die Farben, die Luft, die Weite.
Dank der Zeitverschiebung reise ich quasi in der Nicht-Zeit: Ich fliege am Freitag nachmittag in Deutschland ab, und komme am Freitag nachmittag in New York an.
Großartiger Start ins Wochenende: Am Freitag den Nicolas-Born-Debütpreis des Landes Niedersachsen entgegen genommen. Das sind nochmals viele Monate des ruhigen Arbeitens und Lebens. Viele gute Gespräche, gute Leute. Während der Preisverleihung eine merkwürdige Assoziation: Der Kronleuchter, der vor dem Hannoveraner Literaturhaus über der Straße angebracht wurde und langsam hin und her pendelt, erinnerte mich an eine Abrisskugel, die nur darauf wartet, genug Schwung zu bekommen.
Bevor Schlimmeres geschehen konnte, setzte der Pendel-Mechanismus aus. Glück gehabt.
Ein Sommer voller Arbeit, aber das Ziel ist erreicht: Das Manuskript zum zweiten Roman ist so gut wie beendet, erscheinen wird es im Herbst 2012. Das waren zwei intensive Jahre, die ihren Anfang in Danzig genommen haben. In einer Stadt, die ganz ähnlich scheint, wird denn auch die Handlung spielen. Deckungsgleich ist sie nicht: Diesen Trick braucht es, der Freiheit willen.
Ich freue mich auf eine neuerliche Lesereise, die diesmal bis ganz weit in den Osten führt: Görlitz und Dresden. Am Ende steht die Verleihung des Nicolas-Born-Förderpreises des Landes Niedersachsen. Ein große Ehre!
Zwei Wochen Stipendiatendasein im Spreewald stehen an, im Hotel zur Bleiche. Ein zauberhafter Ort, ohne Frage, paradiesisch fast. Mit dem Fahrer, der mich vom Bahnhof abholte, ins Gespräch gekommen, nach ein paar Minuten erzählte er, fünf Monate als Soldat in Nordafghanistan gewesen zu sein. Dort, wo bereits mehrere deutsche Soldaten starben. Seitdem sehe ich Herrn K. immer wieder, beim Gehen über das Gelände, Verrichten irgendwelcher Tätigkeiten. Seit unserem Gespräch hat die Realität Einzug ins Paradies gehalten, und ein bißchen Traurigkeit mit dazu.
Hoffentlich wird nun, da zu Guttenberg zurückgetreten ist, wieder über den Krieg gesprochen. Auch wenn es ein ungleich komplexeres Thema ist als kopierte Textstellen. Ein ähnliches Maß an Echauffement, wie in den letzten Tagen gezeigt wurde, wünsche ich mir auch in anderen Bereichen, und zwar differenzierter als: Was machen wir am Hindukusch, selber schuld, Krieg ist schlecht.
Katzenberge erscheint demnächst auf Schwedisch, und zwar im Bokförlaget Thorén och Lindskog, Malmö.
Hier ist der Link:
So, der Sommer ist ausgebucht. Das letzte Fenster schließt sich mit der Teilnahme an einem wunderbaren Workshop des British Centre for Literary Translation an der Universität zu Norwich. Eine Woche lang werde ich mit einer Gruppe Übersetzern an einem Auszug von Katzenberge arbeiten. Yay!
Hier der Link:
Gerade den Antrag für eine Einreise in die USA beendet, Resultat: “Application pending”.
Falls nach dem “pending” ein “accepted” folgt, werde ich im Herbst einen Monat lang Stipendiatin am Ledig House im Staate New York sein, und hoffentlich damit beschäftigt, den zweiten Roman zu beenden…. ich freue mich sehr auf die Zeit, den Indian Summer, das erste Mal in den Vereinigten Staaten. Natürlich möchte ich in dem einen Monat eine komplette Überarbeitung hinlegen UND das gesamte Umfeld sehen. Ich weiß schon, was hinten über fällt.
Hier die Seite:
Also die Fledermäuse. B. meinte, ich würde nur noch über Tiere reden, was natürlich nicht stimmt. Jedenfalls: faszinierend. Fledermäuse sind die einzigen Säugetiere, die fliegen können. Und im Winter die Temperatur ihres Blutes auf bis zu fünf Grad absenken können. Vom Magnetsinn und der Echoortung ganz zu schweigen.
Draußen vor der Tür haben die Fledermäuse den Eichhörnchen die Stadt überlassen. Die Rotschöpfe teilen sich die Balkone mit den Wildtauben und einigen Eichelhähern (in der Innenstadt!), die Nachbarn beschweren sich, es sei ja die reinste Wildnis. Und Dreck machen würden die Viecher auch.
Babylon. Der Arbeitstitel meines zweiten Romans verfolgt mich bis in den Schlaf hinein. Fast wortwörtlich habe ich noch das Gespräch im Kopf, in dem mir K. in Danzig das erste Mal von seinem Einsatz im Irak erzählt hat. Danach haben wir uns furchtbar gestritten, ich glaube, es ging um das Ischtar-Tor in Berlin. Keine Ahnung, ob sich K. in einer der Figuren wiederfinden wird. Ihm verdankt sie jedenfalls viel, unter anderem die Schilderung des Kampfes zwischen Walzenspinne und Skorpion.
Walzenspinnen sind nichts für schwache Nerven, soviel steht fest. Und: merkwürdig, woran Menschen sich am meisten erinnern, wovon sie am meisten erzählen. In K.s Erzählungen ging es dauernd um Kleinigkeiten, Tiere, Beobachtungen am Rande, als wäre er auf einem ziemlich langweiligen Urlaub gewesen, und nicht im Krieg.











